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Die Gleichstellungsbeauftragten in der Wissenschaft stellen sich vor: PD Dr. Gabriele Mehling

Gabriele Mehling ist seit Oktober 2025 neue Gleichstellungsbeauftragte in der Wissenschaft. In diesem Artikel lernen wir sie und ihre Arbeit kennen.

Interview: Sophia Wagner


Frau Mehling, Sie sind seit Oktober 2025 neue Gleichstellungsbeauftragte an der Universit?t Bamberg. Warum haben Sie sich für dieses Amt beworben?

Ich wurde angesprochen und habe gerne zugesagt, weil ich bereits an der Filmhochschule in München als Gleichstellungsbeauftragte gearbeitet habe und mir das Thema sehr wichtig ist. Zudem habe ich für meine Habilitation ein Stipendium des Gleichstellungsbüros der Universit?t Bamberg erhalten, das mir sehr geholfen hat. Ich hatte das Gefühl, etwas zurückgeben zu wollen.

Was würden Sie gerne an der Uni Bamberg in punkto Gleichstellung erreichen?

Da ich noch neu im Amt bin, verschaffe ich mir zun?chst einen ?berblick über bestehende Strukturen, zumal bereits vieles institutionalisiert ist. Grunds?tzlich ist es mir wichtig, dass mehr Frauen in der Wissenschaft bleiben, insbesondere nach der Promotion. Ich denke, es ist eine der wichtigsten Aufgaben, unsere gut ausgebildeten Wissenschaftlerinnen in den Universit?ten zu halten.

Gibt es Dinge, die anders im Amt der Gleichstellungsbeauftragten sind, als Sie es erwartet h?tten?

Ich bin sehr beeindruckt von der Professionalit?t des Gleichstellungsbüros. Ich hatte viel gr??ere Anlaufschwierigkeiten erwartet, aber die top Organisation aller Prozesse, das enorme Institutionenwissen und die gute Vernetzung empfinde ich als gro?e Unterstützung.

2025 haben Sie den Habilitationspreis für Ihre Arbeit zum Thema ??Komm, wir gehen ins Kino!‘ – Das Kino als soziale und ?ffentliche Rezeptionssituation. Ein qualitativ-empirisch gegründeter Beitrag zur Theoriebildung“ erhalten. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Der Preis hat mich au?erordentlich gefreut. Manchmal dauert es lange, bis man eine Anerkennung für seine wissenschaftliche Arbeit bekommt. Eine Auszeichnung von der Universit?t, an der ich viele Jahre gearbeitet habe, bedeutet mir daher besonders viel.

Gerade für Frauen ist eine solche Anerkennung wichtig, denn viele untersch?tzen ihre eigenen Leistungen oft. Das beobachte ich in meiner Generation ebenso wie bei heutigen Studentinnen. Aus der Gleichstellungsperspektive k?nnte man sagen, die Ermutigung und Anerkennung durch Preise k?nnen alle in der Wissenschaft T?tigen gut gebrauchen, aber Wissenschaftlerinnen, die ihre eigene Arbeit eher herunterspielen profitieren in besonderem Ma?e davon.

Wer oder was hat Ihnen auf dem Weg zur Habilitation am meisten geholfen?

Meine Habilitation beginnt mit einer langen Danksagung all den Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet haben. Neben der Unterstützung durch mein Umfeld und die Universit?t war nicht zuletzt meine eigene Hartn?ckigkeit entscheidend. Mit meiner vollen unbefristeten Stelle als Lehrkraft für besondere Aufgaben hatte ich Jobsicherheit und ?konomischen Spielraum, doch auch eine sehr hohe Lehrverpflichtung. Aber ich wollte nicht ausschlie?lich akademische Lehrerin sein, sondern eine lehrende Forscherin. Also habe ich meine Stelle halbiert und die ?freie“ Zeit in die Forschung investiert.

Sie besch?ftigen sich in Ihrer wissenschaftlichen Arbeit immer wieder mit dem Fernsehen und dem Kino. Woher kommt dieses Interesse und welche Bedeutung haben diese beiden Bereiche in Zeiten von TikTok und YouTube?

Einerseits spielt meine pers?nliche Biografie eine Rolle. Andererseits bedeutet Medienwandel nicht, dass die ?alten“ Medien Fernsehen und Kino bereits abschlie?end erforscht w?ren. Das Fernsehen erreicht auch heute noch t?glich knapp 60 Prozent aller Menschen über drei Jahren in Deutschland, in der Altersgruppe über 50 sogar fast 80 Prozent. Nicht nur deswegen bleibt es ein massenhaft genutztes Medium von gro?er gesellschaftlicher Relevanz.

Hat sich Ihr wissenschaftliches Interesse über die Jahre gewandelt?

Ich habe au?er Kommunikationswissenschaft auch Politikwissenschaft und Soziologie studiert und mich zun?chst st?rker für politische Kommunikation interessiert. Im Laufe der Zeit habe ich jedoch das gesellschaftliche und politische Potenzial von Unterhaltungsmedien entdeckt. Menschen besch?ftigen sich deutlich l?nger mit Unterhaltungsinhalten als mit politischer Information, zudem bieten sie ein hohes Identifikationspotenzial, etwa bei der Vermittlung von Geschlechterrollen. Wer die Gesellschaft verstehen will, sollte daher unbedingt auch Popkultur und Unterhaltung in den Blick nehmen.

Akademische Karrieren sind oft von einem gro?en Ma? an Unsicherheit gepr?gt. War das bei Ihnen auch der Fall – und wie sind Sie damit umgegangen?

Bis ich in Bamberg angekommen bin, habe ich lange auf befristeten Stellen gearbeitet, teilweise mit Unterbrechungen. Befristete Besch?ftigung bringt ein erh?htes Risiko mit sich, da finanzielle Vorsorge und l?ngerfristige Lebensplanung erschwert sind. In meinem Umfeld, das haupts?chlich aus Akademiker*innen bestand, erschien das normal. Einerseits war ich blau?ugig, weil ich nicht wusste, was für ein Risiko mit einer akademischen Laufbahn einhergeht. Andererseits war ich auch einfach stur: Ich wusste, was ich will, und habe daran festgehalten. Die pers?nliche und intellektuelle Freiheit, die eine Universit?t bietet, sind mir unglaublich wichtig – ich m?chte nichts anderes machen.

Welche Ihrer Erfahrung würden Sie gerne aufstrebenden Wissenschaftlerinnen weitergeben?

Rückblickend würde ich sagen, dass ich zu wenig ?genetzwerkt“ habe – aus Vorbehalten gegenüber ?Beziehungspflege“ und aus Angst davor, dass das in Korrumpierbarkeit umschlagen k?nnte. Heute sehe ich das anders. Eine Kollegin, die für mich ein gro?es Vorbild ist, sagte einmal, sie empfehle nur Menschen, die sie wirklich für kompetent halte, da eine schlechte Empfehlung auch auf sie selbst zurückfalle. Das hat meine Einstellung zur Zul?ssigkeit des Netzwerkens ver?ndert.

Als Gleichstellungsbeauftragte bin ich nun auch kraft des Amtes zum Netzwerken angehalten; zudem koordiniere ich das Netzwerk Qualitative Methoden. Wenn es nicht um die eigene Sache geht, sondern um soziales und gesellschaftliches Engagement, f?llt mir das oft leichter. Ich würde jungen Wissenschaftlerinnen raten, die eigenen Projekte und die eigene Karriere als etwas zu betrachten, wofür es sich lohnt, sich einzusetzen und zu netzwerken. Frau sollte ihre eigenen Ziele genauso ernst nehmen wie hehre allgemeine Ziele – sie ist selbst ein wichtiges Projekt.

 

Weitere Informationen zu Gabriele Mehling finden sich auf der Website des Insituts für Kommunikationswissenschaft