Anna Probst/Universit?t Bamberg

Festakt 2025 (1/2): Gru?worte und Festvortrag

Der allj?hrliche Festakt der Gleichstellungsbeauftragten in der Wissenschaft am 10.12.2025 bot erneut Gelegenheit für Gleichstellungsengagierte und -interessierte um zusammenzukommen und gemeinsam die Erfolge des vergangenen Jahres zu feiern. Wir blicken zurück auf die Veranstaltung – und auf das Gleichstellungsjahr 2025 an der Universit?t Bamberg.

Text: Sophia Wagner


Als an sich diesem Abend Student*innen, Professor*innen, Mitarbeiter*innen und G?st*innen im H?rsaal der U7 versammeln wird deutlich, wie bunt die Gleichstellungslandschaft an der Universit?t Bamberg ist und wie divers diejenigen, die sich dafür einsetzen. So finden sich Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft sowie aus Elternh?usern mit und ohne akademischen Hintergrund. Dies macht deutlich: Gleichstellung ist ein Querschnittsthema und so lassen sich viele Beitr?ge des Abends als ein Aufruf verstehen, Barrieren abzubauen und Vielfalt zu schaffen. Begleitet wird der Abend musikalisch von den beiden Studentinnen Emma Soderer und Sofia Krause.

Hybride Veranstaltung als Beitrag zur Barrierefreiheit

Die Universit?tsgleichstellungsbeauftragte in der Wissenschaft, Prof‘in Dr. Astrid Schütz, er?ffnet den Abend und begrü?t alle Anwesenden – vor Ort und an den digitalen Endger?ten. Denn der Festakt der Gleichstellungsbeauftragten findet in diesem Jahr hybrid statt. So soll es allen Interessierten erm?glicht werden, an der Veranstaltung teilzunehmen, ungeachtet gesundheitlicher Einschr?nkungen, privater Verpflichtungen oder anderer pers?nlicher Gründe. Damit wollen die Gleichstellungsbeauftragten einen Beitrag zur Barrierefreiheit an der Universit?t leisten.

?Barrieren bestehen auch immer noch im Wissenschaftssystem“, sagt Astrid Schütz weist damit auf die Relevanz hin, die die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten für die gesamte Universit?t hat. Dass in Bamberg hier Handlungsbedarf besteht, wurde erst kürzlich anhand des neu erschienenen CEWS-Rankings deutlich. Gleichstellung, so Schütz, sei keine wissenschaftsferne Anforderung, im Gegenteil: die fehlende Beachtung von Gleichstellung sei eine Bedrohung für die Qualit?t in der Wissenschaft insgesamt. Dabei gehe es gleicherma?en um das Forschungspersonal, wie auch um die Betrachtung der Forschungsinhalte.

Er?ffnung des Zentrums für Geschlechtergerechte Forschung und Gender Monitoring

Die Nichtbeachtung der Dimension Geschlecht in wissenschaftlichen Studien kann oft zu fehlerhaften Ergebnissen führen. Dies hat weitreichende Folgen, wie das Beispiel der Gender-Medizin eindrucksvoll zeigt: noch immer werden Herzinfarkte bei Frauen sp?ter erkannt als bei M?nnern, da diese nicht die ?typischen“ Symptome zeigen. Um allen gerecht zu werden, muss die Medizin daher geschlechtsspezifische Unterschiede mitdenken und insbesondere Frauen st?rker berücksichtigen, die in der medizinischen Forschung oftmals noch unterrepr?sentiert sind. Um solchen Tendenzen entgegenzuwirken und den Gender Data Gap in der Wissenschaft zu schlie?en, wurde in diesem Jahr das Zentrum für Geschlechtersensible Forschung (ZGF) unter der Leitung von Prof‘in Dr. Astrid Schütz an der Universit?t Bamberg gegründet. Das Zentrum hat es sich zur Aufgabe gesetzt, geschlechterdifferenzierte Perspektiven systematisch zu st?rken, Forschungslücken zu schlie?en und eine gute wissenschaftliche Praxis sicherzustellen. Damit ist das ZGF deutschlandweit ein Alleinstellungsmerkmal, wie der Pr?sident in seinem Gru?wort bekr?ftigt.

Daten sind auch das Stichwort für einen weiteren Schwerpunktbereich der Gleichstellungsarbeit in diesem Jahr, der im Aufbau eines Gender-Monitorings lag. Wenn Daten gleichstellungsbezogen aufbereitet werden, meint Astrid Schütz, werden Ungleichheiten und Handlungserfordernisse sichtbar. So zeigt sich, dass es der Universit?t trotz eines hohen Promovendinnenanteils insbesondere an weiblichen Post-Docs und Habilitandinnen fehlt. Um dem zunehmenden Verlust von Frauen mit aufsteigender Statusposition – auch Leaky Pipeline Ph?nomen genannt – entgegenzuwirken, muss an dieser Stelle zielgenau angesetzt werden.

“Strukturelle Hürden sind nicht nur ungerecht, sondern auch unklug”

Barrieren abbauen, Wissenschaft st?rken, Gleichstellung verwirklichen – diesem Aufruf schlie?t sich auch der Pr?sident der Universit?t, Prof. Dr. Kai Fischbach in seinem Gru?wort an. Er thematisiert den umfassenden Einfluss, den das Geschlecht auch heute noch auf viele Lebensbereiche hat und die Wechselwirkungen, die zwischen dem Geschlecht einer Person und ihren Aufstiegschancen bestehen. Doch das Geschlecht ist nur eine von vielen Ungleichheitsdimensionen: ?Frauen, Menschen aus anderen Kulturkreisen, Personen aus sozial benachteiligten Gruppen oder Menschen mit chronischen Erkrankungen finden sich in unseren Gesetzen oft nicht wieder.“, so Fischbach. Strukturelle Hürden, die diesen Menschen den Zugang und die Teilhabe erschweren, seien nicht nur ungerecht, sondern auch ?unklug“. Aber auch materielle Hürden seien in den Blick zu nehmen: So thematisiert er die Notwendigkeit zu mehr Repr?sentation von Diversit?t auf dem Campus, zum Ausbau der Barrierefreiheit und zur Ausweitung von Angeboten zur besseren Vereinbarkeit von Studium und Familie. ?Wenn wir als Ort des Wissens und der Reflexion nicht in der Lage sind, Gleichberechtigung durchzusetzen, wer dann?“, appelliert er an die besondere Verantwortung, die Universit?ten für die Gesellschaft tragen.

Erfolgreiche Inititiven im vergangenen Jahr

Einige Anst??e zum Abbau von Barrieren wurden im vergangenen Jahr bereits umgesetzt. Hier hebt Fischbach insbesondere den Diversity Tag 2025 hervor, der sich mit der Sichtbarkeit und F?rderung von Erstakademiker*innen besch?ftigte. Gerade weibliche Studierende br?uchten starke Vorbilder, so wie es durch das Programm ?PIONIERIN“ in der Informatik gef?rdert w?erde.

?Gleichstellung ist ein m?chtiger Hebel, um Strukturen nachhaltig zu ver?ndern.“, schlie?t Kai Fischbach und dankt allen Beteiligten für ihr Engagement, sowie für die gute Zusammenarbeit zwischen Gleichstellungsbeauftragten und Universit?tsleitung. Diese sei zwar manchmal unbequem, aber stets konstruktiv und produktiv, sodass man an diesem Abend gemeinsam auf das Erreichte zurückblicken k?nne und Pl?ne für das kommende Jahr schmieden k?nne.

Die Geschichte der Demokratie als Geschichte des Kampfs um Frauenrechte

Ein H?hepunkt des diesj?hrigen Festakts stellt die Festrede von Prof‘in Dr. Ursula Birsl mit dem Titel ?Geschlecht.Macht.Demokratie“ dar. Frau Birsl ist Demokratieforscherin und Politikwissenschaft an der Philipps Universit?t Marburg und forscht dort in zahlreichen internationalen Kooperationen rund um das Thema Demokratie. Wie eng Demokratie und Frauenrechte miteinander verbunden sind, stellt Frau Birsl in ihrem Vortrag dar.

In einem historischen Rückblick über die Entstehung demokratischer Gesellschaftsformen zeigt Frau Birsl, dass die Geschichte der Demokratie von Beginn an auch ein Kampf um die Rechte von Frauen war. So meinte bereits Aristoteles, dass ?das M?nnliche […] von Natur aus führungsgeeigneter [sei] als das Weibliche“, eine Essentialisierung von Geschlecht, die leider ein ?Mainstream bis in die Gegenwart“ sei, so Frau Birsl. ?ber die Verurteilung von Olympe de Gouges im Zuge der Franz?sischen Revolution bis hin zum Kampf um das Frauenwahlrecht in Deutschland im 20. Jahrhundert – überall begegnen uns diese stereotypen Vorstellungen von Geschlecht, die Frauen aufgrund vermeintlich ?natürlicher“ Eigenschaften von politischer Teilhabe abhalten wollen.

Wie steht es um Demokratie und Frauenrechte heute?

Die historischen Beispiele rufen im Saal aufgrund ihrer offenkundigen Absurdit?t Lachen hervor, aber auch Unwohlsein. Denn wie steht es um Demokratie und Frauenrechte heute? Frau Birsl zeichnet nach, dass aktuell der Niedergang von Demokratien mit einer Einschr?nkung der Rechte von Frauen verbunden sei. So stünden traditionelle und essentialistische Vorstellungen von Geschlecht im Zentrum der Politik Donald Trumps und seiner Anh?nger*innen in den USA, genauso wie bei Politiker*innen der AfD in Deutschland, die sich den ?starken Mann“ und die ?schwache Frau“ als Pfeiler der gesellschaftlichen Ordnung zurückwünschten.

Aus politikwissenschaftlicher Perspektive l?sst sich zumindest zeigen, dass die ultraradikalen Aussagen von AfD Politiker*innen in der Bev?lkerung kaum Widerhall finden, so das Ergebnis der Mitte-Studie, an der Frau Birsl selbst mitgearbeitet hat. Dennoch ruft sie dazu auf, Parteiprogramme stets besonders aufmerksam in Bezug auf Geschlechterverh?ltnisse zu lesen, denn: ?An der Liberalisierung und Demokratisierung der Geschlechterverh?ltnisse l?sst sich die Qualit?t von Demokratien ablesen. An (weltanschaulichen) Gegenbewegungen zur Liberalisierung und Demokratisierung der Geschlechterverh?ltnisse lassen sich Gefahren für die Demokratie erkennen.“

Die Berichterstattung über die Preisverleiung findet sich im n?chsten Blogbeitrag.